Wempe - über 135 Jahre Familienunternehmen

Kim-Eva Wempe führt nun in der vierten Generation das traditionsreiche Familienunternehmen.

Mit seiner über 135-jährigen Firmengeschichte zählt Wempe zu den ältesten Familienunternehmen in Deutschland. Das ursprüngliche Ein-Mann-Unternehmen entwickelte sich zum Arbeitgeber für über 700 Mitarbeiter. Aus einer kleinen Uhrenwerkstatt wurden 30 Niederlassungen – davon zwei Rolex-Boutiquen – an besten Standorten in Deutschland, Europa, New York und nun sogar in Peking. Und was als Handel mit gebrauchten Uhren begann, ist heute einer der größten und umsatzstärksten Uhren- und Juwelen-Händler Europas; mit eigener Schmuckmarke (BY KIM), eigenen Uhrenlinien (Wempe Chronometerwerke Glashütte i/SA und Wempe Zeitmeister Glashütte i/SA) und der größten Uhrenwerkstatt eines europäischen Einzelhändlers. Das Geheimnis dieses Erfolgs? Eine gelebte Unternehmensphilosophie, bei der sich jeder einzelne Mitarbeiter als Botschafter der Marke Wempe fühlt, und deren höchstes Ziel die Kundenzufriedenheit ist. Basierend auf dem Dreiklang aus Solidität, Exklusivität und Kontinuität. Eigenschaften, die vom ersten Tag an das unternehmerische Handeln jedes „Wempes“ geprägt haben.

 

1. Gerhard Diedrich Wempe – der Pionier

 

Er war ein einfacher Uhrmacher und sein Startkapital betrug gerade einmal 80 Mark. Aber Gerhard Diedrich Wilhelm Wempe hatte gleich mehrere gute Ideen, als er am 5. Mai 1878 in Elsfleth an der Weser sein erstes bescheidenes Geschäft eröffnete– eine kleine Uhrenwerkstatt mit Verkauf im Haus seiner Tante Caroline. So etwas gab es bisher nicht in Elsfleth. Dabei stellte er sich auf die besonderen Bedürfnisse seiner Kundschaft ein. Denn die Wirtschaft stagnierte; in Elsfleth hatte man Segelschiffe gebaut und es begann gerade die Ära der Dampfer. Also verlegte sich Wempe anfangs auf den Handel mit gebrauchten Uhren. Mit Erfolg, im Ort nannten sie ihn bald nur noch „Gülden Gerd“.

 

Seinen Gewinn investierte er sofort wieder – in eine Innovation, die zum Markenzeichen des Familienunternehmens werden sollte. Gerhard Diedrich Wempe verwendete viel Zeit und Mühe darauf, seine Schaufenster zu gestalten. Keiner hatte ähnlich attraktive Auslagen, keiner zog die Kundschaft an wie er. Er definierte die Formel, die das Unternehmen auch durch die schweren Krisen der folgenden Jahrzehnte führte: In seinen Geschäften gab es die beste Qualität, die größte Auswahl und die kulanteste Behandlung der Kunden.

 

Nach 16 Jahren wagte er den nächsten Schritt: eine zweite Niederlassung, und zwar in der Residenzstadt Oldenburg. Auch hier war sein Konzept konkurrenzlos.

 

Um das Sortiment im oberen Preissegment auszubauen, reiste er mit seinem 12-jährigen Sohn Herbert in die Schweiz. Die dort geknüpften Kontakte zu den Uhrenmanufakturen sollten dem Unternehmen später noch sehr nützlich sein. Doch erst einmal verliehen die edlen Marken seinen Geschäften weiteren Glanz.

 

1907 folgte der nächste Meilenstein – die Eroberung der Hansestadt Hamburg mit der Eröffnung eines Geschäftes am Schulterblatt. Seine Unternehmensphilosophie setzte sich auch in der Großstadt durch. Schon im ersten Jahr erzielte er einen Umsatz von 100.000 Mark. Doch der Erfolg stieg ihm nicht zu Kopf. Er wirtschaftete genauso sparsam weiter, wie zu Beginn in der Provinz. Beim Ausliefern der Ware fuhr Sohn Herbert Ware mit der Straßenbahn. Und wie zuvor investierte er seine Gewinne ins Unternehmen. Als erster Händler von Uhren und Schmuck in Hamburg baute er ein kleines Netz von Niederlassungen auf. 1914 gab es bereits vier weitere Ladenlokale. Gerhard Diedrich Wempe wollte in jedem Stadtteil präsent sein – doch dann durchkreuzte der erste Weltkrieg seine Pläne.

 

1921 starb Gerhard Wempe im Alter von 64 Jahren. Er war in Deutschland ein Pionier des Uhren- und Schmuckhandels und legte den Grundstein für ein großes Unternehmen. Seinen Nachfolger hatte er früh aufgebaut und ins Geschäft eingeführt – Herbert Wempe.

 

 

2. Herbert Wempe – die Ära der Chronometerwerke

 

Im Alter von 31 Jahren zeichnete nun Herbert Wempe allein verantwortlich für das Familienunternehmen. Zu seinen ersten Entscheidungen zählte der Kauf eines Kontorhauses in der Steinstraße 23 in Hamburg am 31. Dezember 1923. Er nannte es nach dem Spitznamen seines Vaters „Gülden Gerd“: bis heute das Stammhaus von Wempe.

 

Der Maxime seines Vaters folgend investierte Herbert Wempe mutig in die Zukunft des Unternehmens. Alle seine Geschäfte erhielten eine einheitliche Ladenbaugestaltung im Außen- und Innenbereich. Heute nennt man das „Corporate Identity“ – In den zwanziger Jahren alles andere als eine Selbstverständlichkeit. So gewährleistete er, dass der Kunde ein Wempe-Geschäft immer wieder erkennt und sich heimisch fühlt. Bis heute ein Markenzeichen von Wempe.

 

Als weiteres Alleinstellungsmerkmal dehnte der Sohn des Unternehmensgründers den Kundenservice aus. Wempe reparierte alle Uhren – auch die von berühmten Schweizer Marken.

 

Die Maßnahmen zeigten Erfolg: 1929 erwirtschaftete Wempe einen Umsatz von drei Millionen Mark. Als die Weltwirtschaftskrise über Deutschland hereinbrach, reichte die finanzielle Kraft des Unternehmens aus, um die schreckliche Rezession zu überstehen.

 

Schon 1938 stand die nächste wichtige Investition an. Wempe kaufte Hamburger und Bremer Reedern die 1905 gegründete Hamburger Chronometerwerke GmbH ab, die unter Leitung des bekannten Chronometermachers Ferdinand Denker hochpräzise Marinechronometer produzierte. Damit legte er den Grundstein für eine eigene, international konkurrenzfähige Chronometerfertigung, in der auch talentierte Uhrmacher ausgebildet werden konnten.

 

 

Bereits kurz danach begann in Glashütte die ergiebige Zusammenarbeit zwischen Herbert Wempe und Otto Lange, dem Enkel des Begründers der sächsischen Uhrenindustrie Ferdinand Adolph Lange. Gemeinsam gründeten sie die Arbeitsgemeinschaft „Sternwarte Glashütte“ Ihr Ziel: Sie wollten ein Forschungs- und Weiterbildungsinstitut für junge Uhrmacher sowie ein Réglage-Institut zur Feinregulierung von Uhren etablieren.

 

Doch wieder machte ein Krieg alle Pläne zunichte. Das Unternehmen Wempe verlor 1939 seine Selbstbestimmung und wurde dem Marine- und Luftfahrtministerium unterstellt.

 

1945 lag Hamburg in Trümmern; auch die Wempe-Geschäfte. Der älteste Sohn Herbert Wempe jr., für die Weiterführung des Unternehmens vorgesehen, kehrte nicht aus dem Krieg zurück. Eine schwierige Phase des Neuaufbaus begann. Hellmut Wempe, der jüngste Sohn, übernahm bereits mit 13 Jahren erste Aufgaben und trat 1950 mit 18 Jahren in das Unternehmen ein.

 

 

3. Hellmut Wempe – die internationale Expansion

 

Der Neuanfang glückte. Das erste Geschäft, das Hellmut Wempe unter eigener Regie führte, lag in Hamburg Barmbek. Bis Anfang der sechziger Jahre baute das Familienunternehmen zehn Niederlassungen auf. Das deutsche Wirtschaftswunder machte es möglich und die Wempes nutzten die Chance.

 

1963 starb Herbert Wempe und Hellmut übernahm die Leitung des Unternehmens. Er setzte ebenfalls auf Expansion. Mutiger als seine Vorgänger wagte er den Schritt über die Grenzen Hamburgs hinaus nach Lübeck. 1967 folgte Bremen. Im Abstand von einem Jahr wurden Geschäfte in Berlin, Hannover, Frankfurt, Köln, Hamburg Jungfernstieg, Stuttgart und München eröffnet. 1979 gehörten bereits mehr als zehn Geschäfte zum Unternehmen.

 

1980 eröffnete dann die erste Dependance im Ausland. Die Wahl fiel auf New York. Der Philosophie seiner Vorgänger bei der Standortwahl folgend, kam für den Enkel des Gründers nur eine 1A-Lage in Frage. Die Entscheidung lag auf der Hand: die Fifth Avenue. Die ersten Jahre waren eine Durststrecke, aber schließlich etablierte sich Wempe auch in der amerikanischen Metropole. Das machte Mut. Als nächste Stationen folgten Paris, Wien, London und Madrid. Hellmut Wempe entwickelte das lokal agierende Familienunternehmen zu einem international operierenden. Sogar auf dem Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ betreibt Wempe eine Boutique. Hellmut Wempe erweiterte das Familien-Imperium auf weltweit 29 Niederlassungen.

 

Anfang der achtziger Jahre entschied sich seine Tochter, Kim-Eva Wempe, in das väterliche Unternehmen ein zu treten – damit ging die Geschichte des Familienunternehmens in die vierte Generation.

 

 

4. Kim-Eva Wempe – Der Weg in die Zukunft

 

Ihre Vorgänger waren Uhrmacher mit einem untrüglichen Sinn für das Geschäftliche – Kim-Eva Wempe studierte Betriebswirtschaft und beweist als Geschäftsfrau bis heute, dass sie auch die Liebe zu Uhren und Schmuck geerbt hat. In mehreren Schritten lenkt sie die Geschicke des Unternehmens strategisch in neue Bahnen und legt so der Grundstein zur weiteren Expansion.

 

Den Beginn macht zum Jahrtausendwechsel eine Schmucklinie. Unter der Marke BY KIM entwickelt sie mit ihren Mitarbeitern eine eigene Handschrift im Schmuckdesign. Voluminös und trotzdem transparent. Kosmopolitisch für Frauen, die mit der Mode und dem Zeitgeist gehen. Die Ringe, Colliers, Armbänder, Ohrringe und Broschen finden internationale Anerkennung. BY KIM wird zum Erfolg und zur heute zweitwichtigsten Umsatzgruppe des Unternehmens.

 

Zum 125-jährigen Unternehmensjubiläum am 5. Mai 2003 übernimmt Kim-Eva Wempe das operative Geschäft von ihrem Vater Hellmut. Es falle ihm nicht leicht loszulassen, sagte er damals. Doch er habe erkannt, dass die Wempe-Tradition bei seiner Tochter in den besten Händen liegt.

 

Kim-Eva Wempe lässt diesem Vertrauen Taten folgen. Sie treibt Innovationen wie die Schmucklinie voran und erweckt Ideen der Vorgänger zu neuem Leben. 2005 kauft sie die inzwischen komplett verfallene Sternwarte in Glashütte, für die ihr Großvater schon einmal große Pläne geschmiedet hatte. Unter ihrer Initiative entsteht die Sternwarte neu – als Institution, in der Wissenschaft und Uhrmacherhandwerk gemeinsam wirken, als Ausbildungsstätte für junge Uhrmacher und als Heimat ihrer nächsten Idee.

 

Seit 2006 werden in der Sternwarte Armbanduhren gefertigt: die „Wempe Chronometerwerke Glashütte i/SA“ und „Wempe Zeitmeister Glashütte i/SA“ tragen stolz den Familiennamen. Geprüft und zertifiziert werden sie von der ersten deutschen Chronometerprüfstelle in der Sternwarte. Repariert und gewartet, neben Uhren aller großen Marken, in der angeschlossen Uhrenwerkstatt, übrigens der größten eines Einzelhändlers in ganz Europa. Auch die Wempe-Uhren werden schnell zum Erfolg. Schon 2011 eröffnet in Glashütte ein Erweiterungsbau, der die Produktions- und Servicekapazitäten vervielfacht.

 

In wenigen Jahren formt Kim-Eva Wempe das Familienunternehmen von einem Händler feiner Uhren und Juwelen zusätzlich zur Marke der feinen Uhren und Juwelen – gefertigt in innovativen Handwerksbetrieben, die zum Haus gehören. Sie eröffnet exklusive Rolex-Boutiquen in Berlin und New York und legt den Grundstein für weitere Expansionen. 2012 mit der ersten Wempe Niederlassung in Asien, mitten in Peking in der luxuriösen Shopping Mall Parkview Green FangCaoDi, jetzt Jingguang Center in Beijing. 

 

Unter ihrer Ägide verdoppelt sich zwischen 2003 und 2011 der Umsatz von Wempe, die Mitarbeiterzahl verdreifacht sich. „Unsere Mitarbeiter bilden das Kapital, mit dem auch meine Kinder Werte schaffen werden“, sagt Kim-Eva Wempe heute. Tochter Chiara interessiert sich für Schmuckdesign, Sohn Scott hat bereits eigene Ideen für das Unternehmen. Wempe bleibt eben Wempe –auch in der nächsten Generation.