Wempe – Uhrenlexikon

Profitieren Sie von unserem Wissen und unserer Erfahrung - schlagen Sie Begriffe und Themenbereiche nach die Sie interessieren und bei denen Sie bisher nicht weiter wissen.

Gangdauer

Auch Gangautonomie: gesamte Laufzeit eines mechanischen Uhrwerks, also der Zeitraum zwischen dem vollständigen Aufzug und dem Stehenbleiben wegen Entspannung der Zugfeder.

Gangreserve

Über das normale Aufzugsintervall einer Armbanduhr (24 Stunden) hinausreichendes Energiepotenzial. Üblicherweise bewegt sich die Gangreserve in einer Größenordnung zwischen zehn und 16 Stunden. Allerdings lässt die Antriebskraft der Zugfeder in dieser verbleibenden Zeitspanne nach, was zu einer Reduzierung der Gangleistung führt.

Gangreserveanzeige (Réserve de March)

Auch Auf-Ab-Werk. Indikation der verbleibenden Gangreserve bei mechanischen Uhrwerken. Sie fand ursprünglich vorwiegend bei Marine-Chronometern Verwendung, weil das Stehenbleiben und damit der Verlust der genauen Zeit auf hoher See lebensgefährlich sein konnte. Jeder Blick aufs Zifferblatt offenbarte deshalb den Spannungszustand der Zugfeder. Als sich der automatische Aufzug in den 1950er Jahren anschickte, die Handgelenke auf breiter Front zu erobern, spielte die Gangreserve-Indikation abermals eine wichtige Rolle. Sie verdeutlichte die einwandfreie Funktion des Selbstaufzugs. Nachdem Gangreserveanzeigen für viele Jahre nahezu völlig vom Markt verschwunden waren, erfreut sich diese Zusatzfunktion heute wieder großer Beliebtheit.

Gehäuse

Schützende Hülle einer Uhr. Gehäuse gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und Materialien. So unterscheidet man bei Taschenuhren u. a. zwischen offenen (Lépine) oder geschlossenen Gehäusen (Savonnette). Für Armbanduhren werden z. B. wassergeschützte oder wasserdichte Gehäuse verwendet. Außerdem gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gehäuseformen (rund, quadratisch, oval, rechteckig, tonneauförmig etc.) und -materialien (Platin, Gold, Silber, Stahl, Titan, Aluminium, Kunststoff etc.).

Genfer Siegel

Ein Gesetz vom 6. Dezember 1886 über die freiwillige Qualitätskontrolle von Taschenuhren bildet die Rechtsgrundlage für das „Genfer Siegel“ oder den „Poinçon de Genève“. Es regelte die scharfe Qualitätsanforderung zur Fertigung von Genfer Uhren. 1957 erfuhr dieses Reglement eine erhebliche Verschärfung. Fortan mussten Uhren elf Qualitätsanforderungen erfüllen. Dabei stand auch die Ganggenauigkeit im Blickpunkt des Interesses. Für Armbanduhren mit einem Werkdurchmesser von maximal 30 mm war ein insgesamt 18-tägiges Prüfprogramm vorgeschrieben. Nur wenn ein Uhrwerk alle Kriterien erfüllte, durfte es den „Poinçon de Genève“ tragen. Die letzte Fassung des Reglements datiert auf den 22. Dezember 1994. Voraussetzung für die begehrte Punze sind die Nummerierung aller in Frage kommenden Werke und deren Vorlage beim „Büro zur freiwilligen Kontrolle Genfer Uhren“. Den größten Teil des Reglements beanspruchen insgesamt zwölf Festlegungen zum Qualitätsniveau aller Bestandteile und der Verarbeitung. Für die Stahlteile sind u. a. polierte Kanten und satinierte Vorderseiten vorgeschrieben. Die Schraubenköpfe müssen poliert oder kreisgeschliffen, die Schraubenschlitze angliert sein. Weitere Aussagen gelten den Steinen, Zahnrädern, Wellen und Zapfen, der Befestigung der Unruhspirale am Unruhkloben, der technischen Ausführung des wichtigen Schwing- und Hemmungssystems, der handwerklichen Sorgfalt bei der Ausführung der Aufzugs- und Zeigerstellpartie sowie dem Aufwand, der bei anderen Werkteilen zu betreiben ist. Im Gegensatz zum Verordnungstext von 1957 besagt die aktuelle Regelung nichts mehr über die geforderte Ganggenauigkeit bei den eingereichten Werken. Nach wie vor gilt jedoch die Prämisse, dass der Zusammenbau und die Reglage im Kanton Genf erfolgen müssen.

Genfer Streifen (Code Genéve)

Häufig verwendete rippenförmige Dekoration auf den Brücken und Kloben feiner Kaliber. Sie wird vor der galvanischen Veredelung aufgebracht, bleibt aber dennoch erkennbar. Genfer Streifen finden sich im Allgemeinen nur bei hochwertigen Werken.

Gläser

Für Armbanduhren gibt es vier verschiedene Sorten von Gläsern. Die Kristallgläser kommen hauptsächlich bei frühen Armbanduhren vor. Sie sind zwar kratzfest, dafür jedoch sehr bruchempfindlich. Zu Beginn der 1940er Jahre wurden die Kristallgläser mehr und mehr durch Kunststoffgläser (Plexiglas) abgelöst. Diese wiederum sind zwar unzerbrechlich, verkratzen aber relativ leicht. Mineralgläser besitzen eine Härte von 5 Mohs und sind daher wesentlich robuster als Kunststoffgläser. In hochwertigen Uhren unserer Tage wird zumeist Saphirglas verwendet. Bei einer Härte von 9 Mohs ist es extrem kratzfest, jedoch nur mit speziellen Diamantwerkzeugen zu bearbeiten.

Glucydur-Unruh

Moderne Unruh, die nach der Erfindung der autokompensierenden Unruhspirale bei hochwertigen Uhren die bimetallische Kompensationsunruh ablöste. Glucydur-Unruhn bestehen aus einer Kupferlegierung, der ca. drei Prozent Beryllium beigemengt werden. Man erkennt sie an ihrem goldfarbenen Erscheinungsbild. Die einfacheren Nickelunruhn besitzen hingegen einen silbernen Farbton. Glucydur-Unruhen verfügen über eine Härte von 380 Vickers (Nickel-Unruhn 220, Messing-Unruhn 180). Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und fein regulieren.

GMT

Greenwich mean time; Welt- oder Universalzeit (UTC, Universal time coordinated) am Greenwicher Nullmeridian. Die mittlere Zeit von Greenwich gilt heute als Standard im Navigationswesen und internationalen Funkverkehr.

Gold

Edelmetall mit einer spezifischen Dichte von 19,5. Es wird für Schmuck oder Uhrengehäuse in unterschiedlichen Feingehaltsgraden verwendet. Bei sehr hochwertigen mechanischen Uhren werden z. B. auch die Regulierschrauben der Unruh, Steinfassungen, Räder oder wird gar das ganze Werk aus Gold gefertigt.

Goldfilled

Goldauflage auf unechtem Basismaterial, z. B. Messing.

Grande Complication

Hochkomplizierte Taschen- oder Armbanduhr, die mindestens über folgende Funktionen verfügt: Chronograph, ewiger Kalender und Minutenrepetition.

Grande Sonnerie

Großes Schlagwerk, das – je nach Ausführung – die vollen, halben und Viertelstunden selbsttätig akustisch kundtut. Zu diesem Zweck besitzen die Uhrwerke ein zweites Federhaus. In der Regel lässt sich das Schlagwerk per Schieber auf Ruhe schalten. Häufig ist die Grande Sonnerie mit einem Repetitionsschlagwerk kombiniert.

Gregorianischer Kalender

Am 15. Oktober 1582 trat in Rom nach langen Vorarbeiten und der Eliminierung von zehn ganzen Tagen eine von Papst Gregor XIII. verfügte Kalenderreform in Kraft. Sie beseitigte den winzigen Restfehler des 45 v. Chr. eingeführten julianischen Kalenders. Nach diesem war das Jahr um 0,0078 Tage zu lang. Das diesen Fehler beseitigende Spezifikum des gregorianischen Kalenders besteht darin, innerhalb von 400 Jahren drei Schalttage ausfallen zu lassen. Und zwar in allen nicht durch 400 teilbaren Säkularjahren (Jahren des vollen Jahrhunderts). Demnach werden die Jahre 2100, 2200 und 2300 ohne den 29. Februar auskommen müssen.

Guillochieren

Maschinelles Gravieren feiner, teilweise kunstvoll verschlungener Muster in Uhrengehäuse oder -Zifferblätter.

Gyromax-Unruh

Zu Beginn der 1950er Jahre erkannten die Uhrmacher im Hause Patek Philippe, dass bei den neuen Glucydur-Unruhn die Eliminierung der radial eingesetzten Masse- und Regulierschrauben eine Vergrößerung des Radius und damit eine Erhöhung des Trägheitsmoments bei annähernd gleichem Gewicht bewirken würde. Mit besseren Gangleistungen als Konsequenz. Am 31. Dezember 1951 erlangte die „Gyromax“-Unruh patentrechtlichen Schutz. Bei ihr wurden acht scheibenförmige und geschlitzte Regulierelemente auf axial angeordneten Stiften drehbar gelagert. Diese hervorragende Entwicklung kann als Vorläufer der modernen schraubenlosen Ringunruh gelten. Anfänglich diente auch bei Patek Philippe der bewährte Rückermechanismus mit Feinreguliervorrichtung zur Veränderung der Unruhfrequenz. Doch erst in Verbindung mit einer frei schwingenden Spirale konnten die Präzisionsvorteile der „Gyromax“ voll ausgeschöpft werden.